Wie seit vielen Jahren üblich, lag die Januarwanderung wieder in den bewährten Händen von Heidrun Hackspacher. Am zweiten Treffpunkt, dem Wanderparkplatz Am Höllberg bei Bensheim-Auerbach, stellten sich pünktlich um 10:30 Uhr 26 Wanderfreundinnen und Wanderfreunde ein.
Mit dem Alsbacher Schloss, dem Melibokus (auch Malchen genannt) und dem Auerbacher Schloss standen schon mal mehrere lohnende Ziele auf der Liste.
Das Schloss Alsbach fällt von weitem kaum auf, das Schloss Auerbach grüßt weit in die Rheinebene und in den Odenwald hinein, und der Melibokus sticht mit seinen 517 Höhenmetern über viele Kilometer aus der Reihe seiner Nachbarn an der nördlichen Bergstraße hervor. Kommt man von einer Reise wieder nach Hause und nähert sich diesem Berg, atmet man tief durch und lässt die Heimatgefühle herein.
Zurück zu unserem Sonntag: das Wetter sehr genießbar, weder Schnee noch Regen, die Sonne die ganze Zeit wie durch Milchglas, und die Wege in sehr gutem Zustand. Ab und zu durch die Natur etwas kunstvoll gestaltetes Eis an einem Bach, dazu dann als Kontrapunkt ein etwas verhutzelter Mandelbaum am Wegrand mit den ersten Blüten – ja, am Blütenweg! Zunächst folgten wir diesem – dem Blütenweg – durch Weinberge und Gärten, dann einem schmalen Pfad nach oben, wo es nach links ging, dem Burgensteig und dem Alemannenweg folgend. Dieser Abschnitt des Weges bis zum Schloss Alsbach ist besonders bequem zu gehen, denn er bleibt länger nahezu auf der gleichen Höhe und heißt deshalb auch schon lange „Commoder Weg“. Dieser setzt sich auch in die Gegenrichtung bis zum Auerbacher Schloss fort. Hier wie auch an anderen Orten der nördlichen Bergstraße haben sich vor 1918 (Ende des Deutschen Kaiserreiches) die Mitglieder des Hauses Hessen die Zeit vertrieben. Der „Commode Weg“ mag damals entstanden sein. Hauptstadt des Großherzogtums Hessen war Darmstadt.
Nach ca. fünf Kilometern Wanderstrecke sind wir am Alsbacher Schloss angekommen, das auf der Höhe von 257 m oberhalb des Ortes liegt. Tatsächlich ist es die Ruine der um 1235 erbauten Burg Bickenbach. Nach häufigen Besitzerwechseln, einem verheerenden Brand 1463 und dem allmählichen Verfall im 18. Jahrhundert blieb nur die Grundstruktur erhalten. Dank des engagierten Fördervereins ist das Alsbacher Schloss heute wieder ein lebendiges Ausflugsziel mit Burgturm, Burgschänke und vielfältigen Veranstaltungen – von Märkten bis zu Kinder-Ritterfesten.
Bei unserem Besuch war der Turm wegen Bauarbeiten gesperrt. Geöffnet war dagegen die Burgschänke mit ihren Heißgetränken verschiedener Natur, dazu gabs Worschtebrot aus dem Rucksack, die wir an rustikalen Holztischen und Bänken im Freien genossen haben.
Zur Burgschänke gehören Hühner und das Pfauenpaar Coletta und Edgar. An diesem Sonntag inspizierte Edgar die Burganlage und stellte sich gerne mit seiner majestätischen Federschleppe zum Fotoshooting zur Verfügung.
Die gesamte Gruppe posierte noch für ein gemeinsames Foto, bevor wir unsere Wanderung durch die Laubwälder fortsetzten.
Die 260 Höhenmeter hinauf zum Melibokus (517 m) bewältigten wir in gutem Tempo, und schon bald erreichten wir die Terrasse des 1966 wiederaufgebauten Aussichtsturms, der bei klarem Wetter einen einzigartigen Blick über das Umland eröffnet.
Da ziemlich dichter Nebel die Aussicht verhüllte, verzichteten wir auf den Aufstieg zum Turm. Als kleinen Trost bekam jeder, der mochte, am höchsten Punkt unserer Wanderung ein Gläschen Haselnusslikör.
Vom Melibokus stiegen wir in Serpentinen ab und näherten uns dem nächsten Highlight dieser Tour, dem Auerbacher Schloss.
Schloss Auerbach (345 m) ist eine der imposantesten Burgruinen der Bergstraße. Es wurde im 13. Jahrhundert von den Grafen zu Katzenelnbogen erbaut und im Laufe des folgenden Jahrhunderts zu einer der modernsten und sichersten Burganlagen ausgebaut.
Die dreieckige Burganlage mit ihren mächtigen Mauern, Zwingern und Wehrtürmen war für ihre Zeit wehrtechnisch einzigartig. Auch Wohn- und Küchengebäude, ein repräsentativer Palas, Marstall, Schmiede und eine Burgkapelle gehörten dazu und verliehen der Anlage eine solche Ausstrahlung, dass die Grafen sich häufig hier aufhielten. So setzte sich schließlich die Bezeichnung Schloss Auerbach durch.
Neuzeitlichen Kriegen hatte jedoch die mittelalterliche Befestigung nichts entgegenzusetzen und wurde im 17. Jahrhundert durch französische Truppen erstürmt und zerstört. Von da an verfiel die Burg sukzessive, bis sich die hessische Denkmalpflege um ihre Erhaltung kümmerte. Heute gilt das Auerbacher Schloss als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Bergstraße.
Bei der Besichtigung der Burganlage bewunderten wir die gewaltigen Mauerreste mit ihren Schießscharten und Wehrgängen, die die Kernburg und die Innenhöfe umschließen. Einige von uns stiegen auf einen der Rundtürme, von denen man – wenn schon heute keine weite Sicht – so doch zumindest einen eindrucksvollen Überblick über die gesamte Architektur erhielt.
Das markanteste Wahrzeichen der Burg ist überraschenderweise botanischer Natur:
Eine rund dreihundert Jahre alte und etwa sieben Meter hohe Kiefer wächst auf dem Wehrgang, dem kargen Boden ihre Nährstoffe abtrotzend und standhaft gegen Wind und Wetter.
Mit guter Laune wanderten wir auf den verschlungenen Pfaden hinunter, bald wurde nach insgesamt 15 Kilometern und 150 Höhenmetern der Parkplatz Am Höllberg erreicht.
Es war eine wunderbare Idee von Heidrun, die nördliche Bergstraße für die Wanderung auszusuchen und uns auf die geschichtlich reizvoll und abwechslungsreich Tour zu führen. Vielen Dank dafür!
Elisabeth Schneider und Hans Schlabing, 30.01.2026






















