Bericht: Maiwanderung 2026 – Rund um die Starkenburg

Im sonnigen Mai durch Wald, Wiesen und Weinberge

Der sprichwörtlich sonnige Mai brachte unserer Wandergruppe mit Richard Rothermel an der Spitze tatsächlich viel Sonne ohne einen Topfen Regen und lag auch mit der Temperatur genau richtig. Am Anfang gab es eine kleine Schaukelpartie für alle, die vielleicht noch nicht ganz wach waren: Das Sträßchen zur Starkenburg in Heppenheim ist von unten bis ganz oben mit alten Steinen gepflastert und mit der Zeit etwas wellig geworden, es empfiehlt sich eine gelassene Fahrweise. Trotzdem waren alle 24 TeilnehmerInnen pünktlich oben am Parkplatz in Sichtweite der Sternwarte.

Die „Starkenburg – Sternwarte“ wird laut ihrer Homepage von etwa 160 Mitgliedern betrieben und bietet viele Veranstaltungen für Groß und Klein, von Beobachtungsabenden über Kurse bis zu Vorträgen.

Viel länger als die Sternwarte mit ihren Hobbyastronomen trägt der 294 Meter hohe Schlossberg die Starkenburg auf seinem Buckel, nämlich seit dem Jahr 1065. Die Burg gehörte dem Kloster Lorsch (gegründet etwa im Jahr 764) und nahm bei Gefahr dessen Mönche auf. Im Früh- und Hochmittelalter war das Kloster sehr mächtig und sehr reich, nach einer langen Zeit des Niedergangs wurde es 1564 aufgehoben. Die Starkenburg existierte dagegen deutlich länger, sie wurde nie erobert, allerdings 1765 verlassen und verfiel anschließend. 1768 wurde der Bergfried durch einen Blitzschlag schwer beschädigt und schließlich 1924 wegen Baufälligkeit gesprengt. Der 1930 gebaute neue Bergfried grüßt stolz weit in die Rheinebene hinein, umgekehrt ist von dort aus die Aussicht auch sehr gut. Auch die Reste der mittelalterlichen Burg sind sehenswert, darunter die Wehrtürme in der Burgmauer. In den Jahren der Herrenlosigkeit sind – wie anderenorts auch – viele der wohlbehauenen Steine der Burg einer Zweitverwendung in der Umgebung zugeführt worden. Seit 1960 gibt es auf der Starkenburg eine sehr beliebte Jugendherberge, außerdem die „Burgschänke“.

Nach dem Wachrütteln im Auto begrüßten sich die Wanderfreunde gegenseitig, dann rief Richard zum Aufbruch auf den Höhenweg Richtung Nordosten. Bevor es bei der „Helenenruhe“ in den dichten Mischwald ging, säumten Weinberge und Streuobstwiesen den Weg, unten lag links das Hambacher und rechts das Kirschhäuser Tal. Nach einer ordentlichen Wegstrecke erreichten wir die „Jägerrast“, wo sich mehrere Wege kreuzen. Nach einer wohltuenden Trinkpause wechselten wir die Richtung und nahmen den Weg nach Oberhambach.

Zwischen herrlich grünen Wiesen mit ihrem frischen Blumenschmuck lagen kleine, meist „schnucklige“ und schön renovierte Wohngebäude, die ihre landwirtschaftliche Vergangenheit als Höfe, Ställe, Schuppen nicht verleugnen können und wollen. Etwas weiter unten am Talschluss stehen dann die Häuser der ehemaligen Odenwaldschule. Deren Geschichte ist so schrecklich und hat so weite Kreise gezogen, dass wohl jeder sie kennt. Es ist immer noch beschämend, dass „Reformpädagogen“ so lange die ihnen anvertrauten (!) Kinder und Jugendliche missbrauchen konnten.

Goldbrunnen und Eselsberg ließ Richard nun rechts liegen; der ziemlich gerade alte Grenzweg führte durch schönen Hochwald nun Richtung Zell, bald – nachdem der Wald offenem Gelände wich – das nächste Ziel vor Augen, nämlich den Hemsberg, der sich mit seinen 262 Höhenmetern deutlich über seine Umgebung heraushebt.

So wie der Schlossberg bei Heppenheim liegt der Hemsberg direkt am Rand des Rheingrabens. Seine Kuppe ist bewaldet, die Hänge fast überall für Bergsträßer Verhältnisse recht steil. Nach Osten und Süden zu ist das Gelände etwas flacher, und der Wald macht Platz für prächtige Blumenwiesen, Weinberge und auch einige Felder.

Der Mai ist die schönste Zeit um hier zu sein! Skabiosen, Wiesensalbei, Hahnenfuß, Margeriten und andere blühen um die Wette. Auf der Spitze des Hemsberges steht seit 1902 der Bismarck- auch Hemsbergturm genannt, der von einem eigenen Verein bewirtschaftet wird, so auch an unserem Wandersonntag.

Die entsprechende Vesperpause nutzten einige Blumenfreunde für eine Erkundung des nahegelegenen Naturschutzgebietes. So konnten alle die Pause gebührend genießen.

Im Schutzgebiet wachsen und blühen verschiedene Orchideenarten, vor allem das für die Bergstraße typische Helmknabenkraut, aber auch das Große Zweiblatt und ganz vereinzelt die Pyramidenorchis. Gänzlich verblüht war schon das Große Windröschen (keine Orchidee!). Leider gehen alle diese Pflanzen trotz aufwändiger Biotoppflege der Naturschützer stark zurück, dabei spielt der Klimawandel eine große Rolle. Für uns Besucher heißt das: Bitte auf den Wegen bleiben!  

Zurück Richtung Heppenheim führte der Weinlagenwanderweg mit entsprechenden Informationen über Weinbau, Rebsorten etc. Am Fuß der Bergstraße in der Lage Centgericht liegt der ehemalige Hessische Rebmuttergarten mit seinem Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1927. Vor mehr als 100 Jahren hatte die Reblaus, aus Nordamerika kommend, die Weinberge fast der ganzen Welt erobert, nur Chile und Zypern blieben bis heute verschont. Auf amerikanische, resistente Rebunterlagen werden Kulturreben gepfropft und damit das Reblausproblem gelöst, daran arbeitete auch der Rebmuttergarten – das Weingut gehörte früher dem Kloster Eberbach im Rheingau und ist heute Hessisches Staatsweingut. Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Rebmuttergartens dient als Vinothek.

Wo der Blütenweg den Weinlagenweg aufnimmt, folgten die Füße dem Weg hinunter nach Unterhambach. Der Fußweg von dort zur Starkenburg hoch war und dann schon eher etwas fordernd, wurde aber durch die genussvolle Abschlussrast in der Burgschänke wettgemacht.

Elisabeth Schneider dankte unserem Wanderführer Richard herzlich für die wunderschöne Tour.

Tourlänge: 16 km, 480 hm

Hans Schlabing 24.05.2026