Auf 2679m hoch gelegen ist die Mannheimer Hütte die höchstgelegene im Montafon und öffnet daher meist erst gegen Ende Juni. Dieser Umstand und die Ungewissheit der äusseren Bedingungen legen eine kurzfristige Tourenplanung nahe - natürlich am besten über die Tourenbörse unserer Webseite. Mein dortiges Angebot nahmen denn auch Gabi Feistl und Bernhard Schmidt an. Ein Telefonat mit Wilfried Studer, dem Hüttenwirt, der am 23.5.2010 mit Sylvia, seiner Ehefrau und Claudia, einer seiner Töchter am Everest erfolgreich gewesen war, bestätigte den Öffnungstermin 25.6.2010. Nach unserer Ankunft in Brand stiegen wir auf die Oberzalimhütte auf. Diese auf 1889m gelegene Hütte gehört auch der Sektion Mannheim des DAV , wird von Sandra und Claudia bewirtschaftet und bietet sich als Zwischenstation an. Wer möchte, kann wie Gabi und Bernhard den Rucksack mit der Materialseilbahn hochfahren lassen, was die Überwindung der rund 800 Höhenmeter über den Leibersteig bis zur Mannheimer Hütte sehr erleichtert. Nach wie vor ist die Begehung des Leibersteigs ein Erlebnis für Bergsteiger. Er fordert gute Kondition, Trittsicherheit und eröffnet herrliche Blicke über das vom Panüeler Kopf (2859m) und Wildberg (2788m) beherrschte Tal der unteren, mittleren und oberen Zalimalpen und der Brüggelealp. Der lange Winter 2010 hatte bekanntlich bis in den Frühsommer hinein sehr viel Schnee gebracht. So war der Leibersteig noch am Tag unserer Ankunft, also Freitags, unpassierbar. Das störte uns wenig, denn auf der Oberzalimhütte waren wir sehr komfortabel im Vierbettzimmer untergebracht -heisse Dusche gratis- und wurden bestens verköstigt.
» Weiterlesen »Es lohnt sich also doch, die neue "Tourenbörse" auf der Webseite der Sektion anzuklicken!
Sonst wären Ulrike Krumb und Bernhard Schmidt wohl kaum auf die Idee gekommen, so früh im Jahr eine Bergtour ins Karwendel zu unternehmen. Schon gar nicht nach der enttäuschenden Frühjahrswitterung, die noch bis weit in den Mai hinein kräftige Schneefälle bis in tiefe Lagen gebracht hatte. Aber Hans Henninger, der traditionell seine "Privatsaison" auf dem Solsteinhaus (1806m) eröffnet, hatte für das Pfingstwochenende zu dieser Tour in der Tourenbörse eingeladen. Wahrscheinlich hätte es sonst noch lange gedauert, bis Ulrike eine solche Tour mitgemacht hätte. Bernhard und Hans kennen sich ja schon lange von Ski- und Bergtouren.
Los ging´s natürlich frühmorgens in Weinheim und nach 5 Stunden war man in Gießenbach, wo man direkt links neben der Bahnlinie Mittenwald-Innsbruck sein Fahrzeug abstellen kann. Immerhin -noch(!)- umsonst, wohingegen in Scharnitz, dem "Tor zum Karwendel" schon ordentlich für´s Parken berappt werden muss.
Vom Parkplatz weg führt ein Forstweg zur Eppzirler Alm (1459m), die man nach etwa zwei Gehstunden erreicht. Das Hochtal lag noch da im frühjährlichen Kleid, helles Grün der Laubbäume kontrastiert noch mit dem Dunkelgrün der Nadelhölzer und auf den Wiesen leuchten in Gelb, Weiss, Blau Butterblume, Gänseblümchen, Kreuznägel und Enzian. Weiss-blau auch der Himmel. Vom vielen Niederschlag der vergangenen Tage waren zahlreiche Tümpel auf den Weiden noch gut gefüllt und darin tummelten sich Kröten, Kaulquappen und Alpensalamander.
Mittwochnachmittag, es schüttet in Königsee, ein Gewitterschauer geht nieder. Christine und Hans haben sich über die immer wieder verstopfte Autobahn nach Süden durchgekämpft, Dietrich hat sein Auto am Arturhaus abgestellt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den See zu Füßen des Watzmanns gefahren.
Nebelschaden liegen über dem See. Wolken hängen tief und der Donner bricht sich wieder und wieder an den steilen Felswänden. Wir fahren rüber vorbei an St. Bartholomä nach Salet. Der Regen ist zu Nieselregen geworden und wir folgen dem Weg am Obersee entlang. An der Fischunkel-Alm vorbei geht es zum Röthsteig. Der Himmel öffnet wieder seine Schleusen. Prasselregen. Gewitter. Nach kurzer Zeit sind wir alle nass bis auf die Haut. Trotzdem die Stimmung ist gut – wenn man auf die Wasseralm will, darf man sich über Regen nicht beschweren. Für Bergmolche ist dieses Wetter ideal – man muss gut aufpassen nicht auf sie zu treten, denn sie sorgen sogar mitten auf dem Weg für Nachwuchs. Die Wolken reißen auf – Sonnenbalken schieben sich durch das Grau und unter uns taucht der lichtüberströmte Untersee auf. Welch ein Anblick.
Noch gut eine weitere Stunde und wir sind an der Wasseralm, die rundum mit Klamotten dekoriert ist, in der Hoffnung, dass die Wäsche bis morgen trocken ist. Wir drapieren unsere Sachen dazu. Bei Vesper und Bier kommen wir mit den Hüttenwirten ins Gespräch – Anerkennung für unser Vorhaben morgen auf die Wildalmbiwakschachtel aufzusteigen. Wir schlafen gut in geräumigen Nachtlagern.
Donnerstag früh, die Sonne meint es gut, Nebel über den Blumenwiesen um die Hütte, ein guter Kaffee und: „Hier habt ihr noch was, wenn die Nacht auf der Biwakschachtel kalt wird!“ und schon haben wir drei kleine Enzian in der Hand. Die Luft ist gut, die Stimmung auch und so erreichen wir zügig die Schäferhütte. Super Bergwetter heute!! Wir nehmen den Weg durch das Rosental (Wo bitte sind hier Rosen???) zum Hochbrunnsulzen. Immer wieder fallen uns die Einschlüsse in den Felsen auf – wirklich, das Steienerne Meer war früher Meeresboden und viele versteinerte Muscheln und Urtiere kann man im Fels entdecken. Nun beherrscht das Mitterhörnl und das Wildalmkirchel die Landschaft. Durch ein Meer von Gestein und Fels finden wir unseren Weg hinauf zum Wildalmkirchel-Biwak in 2457 m Höhe. Eine geräumige Hütte mit 8 Schlafplätzen.
Nun heißt es Schnee schmelzen und Wasser kochen, Essen zubereiten und wir versuchen sogar Instant-Rotwein: nun, man muss schon sehr weit von einer Flasche Rotwein entfernt sein, will man diesen Pulveraufguss als Rotwein trinken. Wir laben uns an den mitgebrachten Speisen. Draußen braut sich inzwischen ein Gewitter zusammen. Hans geht vor die Tür und schlagartig stehe ihm alle Haare zu Berge, so eine Spannung liegt in der Luft! Und schon geht es los. Es kracht, blitz und donnert, das Echo kommt von den Bergwänden zurück, die Hütte erbet. Naturg3ewalten pur! Aber Hans wollt unbedingt noich einen Sonnenuntergang sehen und bestand darauf, dass er kommt. Und kurz vor halb neun rissen die Wolken auf, färbten sich orange und die Sonne gab für 5 Minuten eine grandiose Abschiedsvorstellung für den Tag!
Freitag, 4 Uhr früh: Aufstehen!! Wasser zubereiten, frühstücken und dann um 5 Uhr Aufbruch. Eine halbe Stunde später auf dem Brandhorn ein überwältigender Sonnenaufgang. Für solche Momente lohnt es sich Bergsteiger zu sein – das ist einfach unbezahlbar!! Am Horizont schon unser Ziel: Das Matrashaus auf dem Hochkönig – aber weit weit weg ist es noch!
Die niedere Torscharte ist unsere zweite Frühstücksrast – ein schöner Tiefblick nach Hinterthal – die Masten der Hochspannungsleitung muss man sich nur wegdenken. Dann den Herzogsteig um den Hochsailer herum und schon liegt die Übergossene Alm vor uns – immer noch ein großer Gletscher, auch wenn er vor ein-, zwei Jahrzehnten sicher massiger ausgesehen hat. Wir legen unsere Spur am unteren Rand des Gletschers an und ziehen hinauf zum Lamkopf 2848m – das Matrashaus ist immer noch so weit weg! Die Sonne brennt erbarmungslos in den Kesser aus weißem Schnee und wir fühlen uns wie in einem Schmelztiegel. Jede Hoffnung auf einen letzten Anstieg wir durch einen erneuten Abstieg in eine Scharte auf die lange Bank geschoben. Doch dann, der Hochkönig wird schon von Wolkenbänken immer wieder eingenommen führt der Pfad unweigerlich zum Haus auf dem Gipfel. Aussicht grandios, wenn sich ein Wolkenloch auftut, kalt und feucht, wenn die Wolken einen einhüllen. Wir tanken auf bei einer guten Suppe.
Eigentlich wollten wir hier übernachten, doch eine angekündigte Kaltfront soll in der Nacht Schnee bis auf 1200m bringen. Da ist die Entscheidung schnell gefällt. Trotz der müden Beine, wir schließen den Abstieg gleich an. Durch das Klämmel auf den ÖTK-Steig, vorbei am großen und kleinen Bratschenkopf steuern wir auf die Torsäule zu – eine imposante Nadel, die viele Kletterer anlockt. Wir verweilen kaum, denn schwarze Wolkentürme verfolgen uns. Christine nimmt die Beine in die Hand und erreicht als erste die Mitterfeldalm – noch fast trocken, Hans und Dietrich bekommen eine kostenlose Dusche ab. . „Drei große Bier bitte!“ Plötzliche Stille, die Polizeischule am Nachbartisch verstummt und dreht sich zu Christine um. Ja, so kommt man in Erklärungsnöte, wenn man für den Hans und Dietrich schon mal ein Bier im voraus bestellt!
Wir erreichen das Auto am Arturhaus und fahren rüber in Stubai. Am nächsten Morgen sind – wie angekündigt – unsere Autos gut eingeschneit.
Ausbildungswoche Fels und Eis im Stubai unter Leitung von
Dietrich Hinkeldey und Hans Henninger
Der Verfasser des gleichnamigen Artikels in der Frankurter Allgemeinen Zeitung vom 10.06.2010, dem Tag vor unserer Abreise, wird mir sicher verzeihen, dass ich seine Überschrift und ein paar ergänzende Informationen aus seinem Artikel nutze. Doch von vorne: Karl Friedrich Rothenbusch ließ sich inspirieren von Bildern, die ich vor gut 20 Jahren vom Ordesa Nationalpark in den spanischen Pyrenäen gemacht hatte. Kurzum schrieb er in der Tourenbörse der Sektion eine Tour aus zum Monte Perdido, dem mit 3354 Metern dritthöchsten Berg der Pyrenäen und es fanden sich tatsächlich 7 Teilnehmer bereit, den "verlorenen Berg" zu suchen. Das fiel natürlich umso leichter, als Karl Friedrich Flüge nach Lerida für sage und schreibe 6.- bzw. 8.- Euro gefunden hatte. Wohlgemerkt Hin- und Rückflug und ohne jegliche Gebühren. Doris, Christine, Monika, Karl (der II.), Christian, Valentin (aus Köln) und ich fuhren von Lerida mit Mietwagen gut zweieinhalb Stunden nach Torla, einem kleinen Dorf, geprägt von dunklen Natursteinhäusern, die sich unter den grandiosen Wänden des Valle del Ara ducken. Hier fanden wir Quartier im Refugio Lucien Briet -der Name schon verrät die Nähe zu Frankreich- benannt nach dem Schriftsteller, der diese Gegend durch Bücher, Artikel und Bilder erst bekannt gemacht hat. Überaus freundlich die Aufnahme und mehr als sparsam die Preise: Lagerbetten mit Halbpension 28.-€ bei Dreigänge-Menü inklusive Rot- und Rosewein. Da wir schon gegen 19:30 angekommen waren, konnte nach spanischer Sitte noch lange getafelt werden und wir ließen uns davon auch nicht abhalten durch das Frühaufstehen am Samstag um 4 Uhr, denn unser Weg , den verlorenen Berg zu finden, sollte sehr weit sein. 2000 Höhenmeter Aufstieg, 30 km Entfernung und Abstieg am gleichen Tag waren schließlich kein Spaziergang.
Der Samstag brachte aber schlechtes Wetter, schon auf den ersten Metern des Aufstieges regnete es in Strömen und das sollte, von kleinen Unterbrechungen abgesehen, auch nicht mehr aufhören. Aber trotz dieser schlechten Bedingungen und der teilweise schlechten Sicht eröffneten sich hin und wieder Blicke auf die terrasenförmig angelegten Canyonwände der Schlucht des Rio Ara an deren Ende der beeindruckende Wasserfall "cola del caballo" seinem Namen "Pferdeschwanz" alle Ehre macht. Nass und verfroren gelangten wir schließlich auf das rund 2200m hoch gelegene Refugio Goriz, eine ganzjährig bewirtschaftete, überaus einfache Hütte ohne jeden Komfort und wenig anheimelnd. Die Toiletten sind in häßlichen Containern neben der Hütte und passen so garnicht in die grandiose Landschaft, von der wir bis dahin nur wenig zu sehen bekommen hatten. Die Höhen über 2000m hüllten sich in Wolken und es war trübe und dunkel. Immerhin aber hatten wir bei diesen Bedingungen eine klettersteigähnliche Passage von gut 100 Höhenmetern zu überwinden ohne Sicherungsgeräte auf glitschigem Fels, gesichert von Ketten und "clavijas", Eisenstangen, wie wir sie von unserem heimischen Klettersteig durch die Jakobswand kennen. Auf der Hütte selbst war trotz des Wetters erstaunlich viel Betrieb. Auch hier eine Überraschung für uns, die an Hütten in den Alpen gewohnt sind, die Preise, sie sind niedrig. Ein Tee z.B. 1,60 € und selbst einen Liter Rotwein für 8,50 € , da kann man nicht klagen. Aber natürlich war Rotwein nicht angesagt, denn wir hatten ja noch die letzten 1150 Höhenmeter vor uns! Und immer noch Schnürlregen! Nach gut einer Stunden verloren Karl-Friedrich, Valentin und Karl (der II.) die Geduld und machten sich im strömenden Regen auf zum Gipfel - ein hoffnungsloses Unterfangen, nach gut weiteren 600 Höhenmetern war im Whiteout keine Orientierung möglich und es schüttete nach wie vor. Der Monte Perdido ward nicht gefunden! Die Damen dagegen gingen in Begleitung von Christian und mir die Faja de Pelay in westliche Richtung. Dieser Weg führt rund siebenhundert Meter über dem Talgrund in gleichbleibender Höhe zurück und war eigentlich gesperrt. Früher benutzten Jäger diesen Pfad, um den Sarrios nachzustellen, einer Gemsenart und auf der Terrasse gelegen ist der Weg teils ausgesetzt, vor allem aber sehr lawinengefährdet. Zahlreiche Spuren von Lawinen konnten wir sehen und teilweise waren es körperstarke Kiefern, die abgerissen waren. Aber zum Glück lag in den Steilhängen nur noch so wenig Schnee, dass die Lawinengefahr nicht akut war. Jetzt hatte auch der Wettergott ein Einsehen und öffnete den wolkenverhangenen Himmel -zumindest hin und wieder. Was wir sahen, war grandios: Ein kilometerlanger Canyon, hunderte von Metern unter uns der Rio Ara und auf beiden Seiten der Schlucht Wände durch deren Risse und Kerben endlose pralle Wasserfälle hinabstürzten zum Talboden, wo sattes Grün und die weisse Gischt des Wildwassers ein prächtiges Bild gaben. Und tatsächlich gab es sogar Momente, in denen die Sonne ihre Strahlen sandte, was die Farben der Felswände aufleuchten liess. Nach gut zweieinhalb Stunden gelangten wir so zum Mirador, einer Aussichtsplattform, die hoch über der Stelle liegt, an der wir unten im Tal die Autos geparkt hatten. Der steile Abstieg dorthin über rund 700 Höhenmetern kostete Konzentration und Kraft. Aber dann war es geschafft, im "Lucien Briet" wartete ein leckeres Abendessen, viel Erfahrungsaustausch auch mit spanischen Bergsteigern und natürlich viel Spass.
Der Sonntag dann bescherte zunächst bestes Wetter und so konnten wir das malerische mittelalterliche Dorf besichtigen, um dann durch die schöne Landschaft des Aragon nach Lerida zu fahren, von wo der Rückflug pünktlich startete und uns nach Frankfurt - Hahn brachte und auf der Heimfahrt begann es zu regnen - was sonst! Doch eines ist geblieben: Es war eine tolle Tour und ich werde bald wieder aufbrechen, diesmal aber um den verlorenen Berg sicher zu finden!
Hans Henninger