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Paparazzi im Südgrat

Alpinklettern rund um die Bergseehütte, 30.6.-3.7.

Endlich geht es mal wieder ab in Richtung Berge. Wie ich schon geahnt habe, mitten in der Nacht. Samstagmorgen um 6 Uhr treffen wir (Agnès, Hanne, Doris, Dirk, Roland, Markus, Klaus, Andreas Wolfgang und ich, Karola) uns zu unserer gemeinsamen Tour in die Urner Alpen. Nach 4 Stunden Fahrzeit und gegenseitigem Beäugen der schweren Rucksäcke beginnen wir mit dem anderthalbstündigen Aufstieg zur Bergseehütte auf 2.370 m. 600 Höhenmeter sind zu bewältigen. Hatte ich mir nach dem letzten Hüttenanstieg nicht geschworen, mir eine solche Plackerei nie wieder zuzumuten?

Was tue ich hier – und vor allem: Warum tue ich das??? Die menschliche Psyche wird mir immer ein Mysterium bleiben. Aber irgendwann schlage auch ich mit pfeifenden Lungen an der Ziellinie an und alle Zweifel sind plötzlich verflogen. War ja eigentlich gar nicht so schlimm!

Wir werden sehr herzlich von der Hüttenwirtin empfangen. Nachdem wir unsere Lager bezogen haben, werden nun die Finger schon wieder feucht vor lauter Vorfreude auf den totalen Granit ringsum. Den Nachmittag über toben wir uns in Seilschaften in den umliegenden Klettergärten und den Vorbau des Bergseeschijen in Zwei- bis Sechs- Seillängentouren aus. Die Begeisterung ist groß: Superfester Fels und abgesichert fast wie in der Jakobswand. Die Friends den Berg hochzuschleppen ist eher als Fitness-Training anzusehen, bei den vielen Bolts hier. Ein Satz Klemmkeile am Gurt kann allerdings nicht schaden, vor allem, wenn man gern mal den einen oder anderen Haken überklettert. Als einzige Spaßbremse erweist sich der schwere Rucksack, den der arme Nachsteiger jeweils mitzuschleppen hat. Also achten wir peinlich genau darauf, schön überschlagend zu klettern.

Am Sonntag heißt es früh aufstehen. Es ist Superwetter und die Besteigung des Bergseeschijen winkt. Dieses Winken erreicht aber auch zahlreiche andere Seilschaften. An den Einstiegen heißt es Platzkarten ziehen und warten. Als erste verlieren Wolfgang und ich die Nerven und wir machen uns durch eine schneebedeckte Rinne auf in die Ostwand („Morgenstund“, 5 Seillängen, 5. Grad). Von dort aus kann man wunderbar das rege Treiben am Südgrat beobachten. Markus und Roland haben doch noch einen Platz in der „Andrea“ erhaschen können (10 Seillängen, 5. Grad) und stoßen nach der 6. Seillänge auf die Weinheimer Südgratler.
Dort herrscht aufgeregter Funkverkehr. Die meisten Seilschaften sind mit Funksprechgeräten ausgestattet, allerdings alle auf demselben Kanal! So hören auch alle, was nicht unbedingt für alle bestimmt ist. Seilkommandos wie „Ja, kannst dich ruhig nackig machen“ sind unter Kletterern nicht nur ungewöhnlich, sie lösen beinahe eine Massenkarambolage auf dem Südgrat aus. Nachdem geklärt werden kann, dass es sich beim „Nackigmachen“ lediglich um ein Fleece handelt, entspannt sich die Situation und unsere Bergkameraden wenden sich wieder den wirklich wichtigen Dingen im Leben zu. Klaus erreicht als erster unserer Truppe den 2.815 m hohen Gipfel. Von hier aus kann er seine Paparazzifotos schießen. Keiner entgeht seinem scharfen Objektiv!

Derweil toben Doris und Dirk (letzterer virusgeschwächt) mal eben ein paar Touren durch den Vorbau. Auch Wolfgang und Karola sind aus der „Morgenstund“ zurück und steigen gleich in den „Ameisentrail“ ein. Fragt bloß nicht, warum der so heißt. Ich habe lange genug am ersten Stand verbracht, um ausgiebig über diese Namensgebung zu sinieren. Erst Wolfgangs „Nachkommen“ erlöst mich von den wilden Schweizer Bestien. Nach insgesamt 12 Seillängen sind die Fingerkuppen dünn und es heißt einpacken.

Nach einem tollen Abendessen liegen alle erschöpft und müde im Lager. Eigenartigerweise verspürt niemand das Bedürfnis, in dem wohltemperierten Bergsee (ob er wohl die 10-Grad-Grenze erreicht?) ein Bad zu nehmen. In der Nacht setzt dann heftiger Regen ein. Die Aussichten für die nächsten Tage sind auch nicht gerade rosig. So wird abgestimmt und der Entschluss zum Abstieg gefasst. Wir hätten die schönen Touren vom Vortag kaum noch toppen können und so streben wir satt und zufrieden dem Tal und der Zivilisation entgegen.

Eine schöne und von Klaus super geplante Tour nimmt beim Pizza-Essen im AC Weinheim ihr Ende. Danke Klaus, war richtig schön!

Karola Sander

Bilder der Tour im Photoalbum
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