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Warum ist es am Rhein so schön?

Wandern auf dem Rheinsteig bei Rüdesheim, 17.-20. Mai

Die Antwort auf diese Frage findet, wer mit Walter Hebling eine so schöne Rheinsteig-Wandertour macht, wie wir 22 Teilnehmer es vier Tage lang erleben konnten. Natürlich kannten fast alle den Rheinlauf zwischen Eltville und Lorch vom Rheinufer aus per Strasse oder Schiene, auch von Schiffsfahrten her. Der Rheinsteig verläuft auf dieser Strecke in durchschnittlich 250 m Höhe und lässt die Einbettung des Stroms zwischen den Randgebirgen Taunus, Westerwald und Hunsrück aus interessanter und für viele von uns ganz neuer Perspektive erkennen.

Zur Schönheit der Region trägt auch das Wirken der Menschen bei, die dort leben. Wie im Alpenvorland die satten grünen Wiesen den Wanderer bezaubern, sind es im Rheintal die Rebhänge, die sich weit hinauf bis an die Laubwälder ziehen. Mitten hindurch führt der Rheinsteig als markierter Wanderweg. Auch die Ortschaften und ihre Architektur sind durch den Weinbau geprägt, man sieht an diesem Flussabschnitt weder Hochhäuser noch Industriebauten, abgesehen von einem gewaltigen Steinbruch auf der Hunsrückseite. Dafür gibt es viele Burgen und Schlösser, Kirchen und Klöster zu besichtigen.

Aber über allem dominiert der Wein. Schon im Eingangsbereich der Rüdesheimer Jugendherberge am schwarzen Brett stößt man auf eine Liste der hier käuflichen Weine. Nicht nur in der Drosselgasse, sondern praktisch überall, auch an Kirchen und Klöstern, wird Wein angeboten – und natürlich auch getrunken, selbst in der Jugendherberge.

Die Jugendherberge von Rüdesheim bekäme fünf Sterne, wenn es nach uns ginge. Es war einfach alles prima. Die Betten, die Aufenthaltsräume, das Frühstücksbuffet, das mehrgängige Abendessen, die Lage, der Vorplatz im Biergartenstil und die Preise. Und es gab sogar Bier! Von der Belegung her hätte man an ein Seniorenheim denken können, allein das Fehlen von schrägen Rampen und Aufzügen sprach dagegen.

Doch wir waren zum Wandern gekommen. Schon am Ankunftstag, Himmelfahrt, war ein Gepäckmarsch mit Aufstieg angesagt, der von Aßmannshausen zum Niederwald-Denkmal mit der beeindruckenden Germania führte und von dort weiter zur Unterkunft, die in etwa gleicher Höhe (ca. 300 m) liegt. Zweimal stiegen wir an diesem Tag noch ab nach Rüdesheim, erst zum Schauen, später zum Schoppen.

Am Folgetag brachte uns die Bahn von Rüdesheim nach Lorch. Mit Tagesgepäck auf dem Rücken begann der Aufstieg zum Rheinsteig. Jetzt kamen die Fotografen voll auf ihre Kosten. Streckenweise wurde auch Trittsicherheit verlangt, so zum Beispiel auf dem Felspfad am Teufelskadrich hinter dem Bodental. Die Mittagsrast wurde durch herrliche Panoramablicke verschönt, bevor der Weg hinab nach Aßmannshausen führte. Nach eingehender Besichtigung dieses schmucken Rheinstädtchens ging es wieder bergauf, vorbei am Jagdschloss Niederwald mit Zauberhöhle und Rittersaal-Ruine in Richtung Niederwalddenkmal. In der Zauberhöhle, einem kurzen künstlichen Stollengang, waren menschliche Schreie als Gemisch aus Furcht und Freude zu vernehmen, der Gang im Inneren völlig dunkel. Hier half manchem das Handy mit seiner Bedienungsbeleuchtung weiter, und wer tapfer durchgehalten hatte, landete am Ende in einer runden Halle, wohl dem früheren „Dienstsitz“ des Zauberers.

Der dritte Wandertag führte rheinaufwärts und stand unter dem Zeichen der Kirchen- und Klosterkultur. Zuerst wurde die Abtei St. Hildegard besichtigt, dann das Kloster Mariental und das Schloss Vollrads, bis die Wanderstrecke schließlich am Kloster Eberbach endete. Diese über 20 Kilometer lange Strecke mit insgesamt etwa 700 Höhenmetern war eine gute Tagesleistung, die bei Regen begann und in schwüler Luft fortgesetzt wurde. Aber die interessanten Bauten und wunderbaren Ausblicke ließen alle Mühsal vergessen. Zurück ging es via Linienbus und Bahn.

Am Tag der Heimreise standen nochmals 12 Kilometer Wanderweg auf dem Programm, diesmal direkt am Rheinufer und zwar von Eltville nach Wiesbaden-Biebrich. Hier hatten wir die Perspektive der „normalen“ Rheintouristen, wurden von vielen Radlern überholt und konnten schließlich, je näher wir den Hafenanlagen vor Wiesbaden kamen, sehr konkret den Unterschied zwischen schöner Natur und Industrieanhäufung am Flussufer feststellen. Der anschließend durchquerte Schlosspark bewies, dass auch künstliche Anlagen schön sein können. Auf dem Heimweg über Mainz und Darmstadt konnten sich manche „dicken Füße“ wieder erholen.

Ludwig Krauth dankte im Namen der Teilnehmer unserem Walter für die lohnende Mühe. Die gesamte Gruppe war gut zu Fuß, so dass in den vier Tagen über 70 Wanderkilometer absolviert wurden. Wir reisten ausschließlich per Bahn. Erwähnt werden soll auch das Ehepaar Berbner, das sich um die Beschaffung und Abrechnung der diversen Gruppenfahrkarten kümmerte. Beachtliche Einzelleistungen bot Jürgen Schneider mit seinem Improvisationstalent für Bypasswege und der Kunst, Busfahrer anderer Gesellschaften zu überreden, auch einige Wanderer von uns noch mitzunehmen. Erstaunen ließ uns die Kondition von Wiltrud Brech, der unser Wandertempo etwas zu seniorenhaft und die daher meist an der Spitze weit vor der Truppe anzutreffen war, trotzdem aber bei vollem Tempo noch vierblättrigen Klee wahr- und mitnahm. Und nicht zuletzt hat uns Doris Schäfer eine Freude gemacht, als sie mit ihrer Freundin Susanne aus Schierstein per Taxi auf dem Wanderweg zu uns stieß und uns zwei Tage lang begleitete.

Uwe Hennings

Bilder der Tour im Photoalbum
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