Sektion Weinheim im Deutschen Alpenverein e.V.

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Weinheimer wanderten mit Walter

Am Silvaplanersee
Am Silvaplanersee

Wir waren 24 Personen, die mit drei Kleinbussen und zwei Privat-PkW nach La Punt im Ober­­engadin fuhren, um dort eine schöne und sportliche Herbstwoche zu verbringen. Walter Hebling hatte wieder das Selbstversorgerhaus der Familie Rudigier gemietet, in dem die meisten von uns sich recht gut auskannten. So war dann die Verteilung auf die Zimmer und die Zuteilung von Gemein­schaftsaufgaben kein Problem, zumal Ellen Sam in bewährter Weise die Herrschaft über die Küche übernahm. Da weiß man schon im voraus, dass die Versorgung mit Abendessen immer gesichert ist.

Die ganze Gruppe in Sent
Die ganze Gruppe in Sent

Die „Neuen“ fanden sich schnell zurecht und ersetzten diejenigen „Alten“, die aus Gesundheits-, Fitness- oder sonstigen Gründen nicht wieder dabei sein konnten. Dem durchschnittlich fortgeschrittenem Alter entsprechend wurden die Tagestouren, die doch z. T. recht anspruchsvoll waren, aber gefährliche Situationen vermieden, angepasst. Wie gewohnt, gab es jeweils Alternativen, wobei Flexibilität durch die drei Kleinbusse gegeben war. Als Fahrer profilierten sich außer Walter besonders Hans Bauer, Jürgen Schneider und Adolf Koch. Sie mussten wegen der Ortsveränderungen auf den täglichen Wegen oft selbst auf Wanderstrecken verzichten. Wir Mitfahrer konnten dagegen – im Gegensatz zu sonst – auf die Rhätische Bahn verzichten.
Das Wetter meinte es gut mit uns. Meist war der Himmel blau, nur zweimal gab es vorübergehend Nebel und ein paar Tropfen auf die Windschutzscheiben. Der Schnee der Vormonate war weitgehend verschwunden, zumindest auf den Bergen, die das breite und landschaftlich so schöne Inntal einfassen. Weiter hinten und oben dagegen strahlte das Weiß des Schnees und der Gletscher im Sonnenlicht und begeisterte unsere Herzen. An den Gipfeln von Bernina, Piz Palü, Piz Roseg, Piz Morteratsch, Piz Murtèl, Piz Corvatsch, Piz della Margna – und auf der Nordseite Piz Nair, Piz Suvretta – um nur einige zu nennen – kann man sich nicht sattsehen. Der höchste von uns „erstiegene“ Punkt war der Piz Languard mit 3262 m.
Aber fast noch schöner waren die herbstlichen Wälder, besonders die ungezählten Lärchen in leuchtenden Farbtönen von Hellgelb über rot bis hellbraun, dazwischen die dunklen Tannen, alles in gekonnter Mischung. Davor sattgrüne Wiesen und schmucke kleine Orte an den Hängen. Echte Postkartenidylle! Wir waren genau zur richtigen Zeit dort.
Die Globalisierung hat – zum Glück – das Engadin noch wenig berührt, jedenfalls äußerlich. Wo kann man heute noch ein Dutzend Dörfer hintereinander finden, ohne das sonst unvermeidliche gelbe geschwungene M? Werbung an den Strassen kaum, Architektur wie schon seit dem 16. Jahrhundert, keine protzigen Hotelbauten, sondern dickwandige Aussenwände mit konischen Fensternischen und Klappflügeln – nirgens ein Rolladen. Unaufdringliche Bemalungen, Beschriftungen in rhätoromanisch. Begrenzter Ackerbau, traditionelle Viehzucht, alles gleichzeitig bescheiden und großzügig! Und das Ganze vom Tourismus nicht überlaufen, ausgenommen St. Moritz, der Edelkurort für Begüterte.

Bergeller Berge - Bügeleisenkante
Bergeller Berge - Bügeleisenkante

Walter zeigte uns in der einen Woche sowohl das Ober- als auch das Unterengadin von Maloja bis kurz vor die Grenze zum Vorarlberg. Am letzten Tag kam auch noch ein Abstecher über den Malojapass ins Bergell bis Soglio hinzu. Wem das immer noch nicht reichte, der konnte zwischendurch an zwei Tagen Bahnfahrten mit dem Glacierexpress unternehmen, die Jürgen organisiert hatte. Da ging es einmal nach Andermatt und einmal über den Berninapaß nach Tirano in Italien. Rund die Hälfte unserer Teilnahmer machte davon Gebrauch.
Neuentdeckungen machten auch „alte Hasen“, die schon mehrmals im Engadin waren. Dazu gehören u. a. Varianten auf dem Weg von Muottas Muragl nach Pontresina, über die Segantinihütte auf 2737 m, ferner Steige von der Furtschellasstation zum Sgrischus-See und abwärts am Hang zum Fextal oder auch bequeme Wanderwege von Zuoz nach Madulain. Das Fextal verdient den Titel schönstes Tal des Oberengadin. Schön ist auch der Talweg von St. Moritz über den Stazsee nach Punt Muragl.
Natürlich durften wir uns einen Besuch des sog. Heidi-Dorfs in der Nähe des Silsersees nicht entgehen lassen. Dort wurde der bekannte Film gedreht. Dem Gerücht nach ist Heidi heute Großmutter und ihr Sohn ein tüchtiger Bergbauer, dem wir beim Ausmisten eines Kuhstalls zusehen konnten. Diese Tour wurde aufwärts bis ca. 2600 m fortgesetzt und im Ort Maloja beendet. Nach Rückkehr gab es selbstgebackenen Kuchen von Claudia Lörsch, der der berühmten Engadiner Nußtorte sehr nahe kam und Gebäck von Christel Bertram zum Kaffee. Auch weitere Spenden an Esswaren und Getränken, besonder Wein, wären zu nennen.
Am Mittwoch stand das Unterengadin auf dem Programm. Die drei Busse brachten uns zunächst nach Lavin (Kirchenbesuch) und Guarda (“Museumsdorf“). Mit Guarda verbinden sich Erinnerungen an die Fußball-WM von 2002, die einige von uns seinerzeit im Weinkeller am Fernsehschirm verfolgt hatten. Von dort wanderten wir weiter nach Ardez, wo wir Mittagsrast auf Bänken am Dorfplatz vor der Kirche machten. Jetzt folgte eine Fußwanderung über Ftan-Pitschen nach Schuls (Scuol), die schöne Aussichten auf das Inntal und die Burg Tarasp bot. Auf dieser Strecke marschierte gleichzeitig mit uns auch eine ebenso starke Truppe aus Landeck, wobei Vermischungen auf dem schmalen Steig unvermeidbar aber auch unterhaltsam waren. Aber auch hier war die Reise noch nicht zu Ende. Per Bus wurde noch der Ort Sent mit seiner reformierten Kirche und gotischem Turm aufgesucht. Auf der Rückfahrt folgte noch ein Erinnerungs-Rundgang durch Schuls, das – ähnlich wie La Punt – schon mehrfach Standort von schönen Wanderungen war.
Einen Abend sangen wir bekannte Lieder des Singkreises zur Gitarre, sonst war Unterhaltung und Fröhlichkeit angesagt. Gelegentlich konnten frische Fotos vom Tage am Laptop besichtigt werden. Manchmal war an einer Ecke Kartenspiel zu beobachten. Kulturmotivierte Damen besuchten einen Abend einen öffentlichen Dia-Vortrag im Ort, ansonsten genoss man nach sportlichem Tag und gutem Abendessen – und natürlich auch trinken – die Schlafstätten.
Die Hin- und Rückfahrten von und nach Weinheim waren ebenso schön und erinnernswert.
Walter und seinen Helfer/Innen sei hiermit nochmals herzlicher Dank ausgesprochen.

18.02.09, Uwe Hennings

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