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Bike und Hike im Lungau

Hoch über dem Turracher See
Hoch über dem Turracher See
21. – 29.Juni 2008

Sonndörfl ist – der Name deutet es an – eines der sonnenreichsten Fleckchen Erde Österreichs. Der Weiler gehört zur Gemeinde Weißpriach im Lungau und ist unweit den Gemeinden Mariapfarr und Mauterndorf gelegen. Durch seine jahrhundertelange Abgeschiedenheit im Süden der Hohen Tauern hat sich der Lungau bis heute als weitgehend unberührte Naturlandschaft erhalten. Er ist ein Wander- und Bikerparadies par excellence, das nicht unter die 1000-m-Grenze abfällt, mit vielen bewirtschafteten Almen und Hütten, Bergseen und bis zu 3000 m hohen Berggipfeln. Hier haben wir für eine Woche unser wunderschönes Domizil, ein auf grüner Wiese am Hang gelegenes Haus mit Garten und Panoramablick.

Jause auf der Ludlalm
Jause auf der Ludlalm

Wir starten noch am Tag der Ankunft zur ersten Tour. Denn heute ist der längste Tag des Jahres, und die Feiern zur Sonnenwende wollen wir hoch oben am Gipfel erleben. Von Predlitz an der Mur geht es auf steilen Waldwegen hinauf zu den Vorderhütten-Sonnwendalmen auf 1700 m Höhe und von dort zu Fuß weiter zum Gipfel des 2004 m hohen Rotofen am Grenzverlauf vom Salzburger Land zur Steiermark. Wir sind fasziniert vom Spiel von Licht und Schatten im Scheine der langsam untergehenden Sonne. Die Zeit bis zur Dämmerung wird uns nicht langweilig, denn ein Bläser-Quartett spielt Lieder der Berge und vom Tale erklingen stimmungsvolle Alphornklänge. Dann wird von riesigen Holzstapeln das Sonnwendfeuer angefacht und junge Burschen beginnen mit mehr oder weniger Geschick die im Feuer zur Glut gebrachten Holzräder über eine Rampe in Richtung Tal zu katapultieren. Wir beobachten das spektakuläre Schauspiel von hier oben, und später von den 300 m tiefer gelegenen Silbergrubenalmen, nachdem wir im letzten Lichte der Dämmerung mehr oder weniger stolpernd dorthin abgestiegen waren.
Unser Tagesziel am darauf folgenden Sonntag heißt Riedingtal-Runde mit dem Talort Zederhaus im gleichnamigen Tal als Ausgangspunkt. Wir erreichen Zederhaus nach 32 km auf dem Mitterberg-Radweg über Mauterndorf. In Zederhaus beginnt der steile Anstieg, aber anstatt wie vorgesehen auf Schlieren- und Königsalm landen wir auf der 1658 m hoch gelegenen Bartl-Alm. Wir brauchen unseren black out bei der Wegfindung nicht zu bereuen. Die Alm ist wunderschön auf einer Hochalmwiese gelegen, und die freundliche Sennerin verwöhnt uns mit Kasknödelsuppe und Buttermilch.
Derart gestärkt machen wir uns an den Aufstieg zum 2120 m hoch gelegenen einsamen und tiefgrünen Mühlbachsee, diesmal per pedes und mit Stöcken, denn der Steig dorthin ist sehr steil. Der See ist noch eingefasst von Schneefeldern, das Wasser entsprechend kalt und glasklar. Frösche und Fische beachtlicher Größe und ein herrliches Blütenmeer zeigen uns, dass die Natur hier oben noch in Ordnung ist.
Der Brunnenwirt in Mauterndorf ist die nächste Anlaufstation. Nur 10 km von Sonndörfl entfernt können wir hier nicht nur gepflegt zu Abend essen, sondern leistungsmäßig gesehen positive Bilanz ziehen: 88 km bergauf und bergab und im bergauf einschließlich Fußmarsch 1126 hm absolviert.
Wir beginnen die neue Woche mit einer morgendlichen Jause auf der Granglerhütte im oberen Weißpriachtal auf 1340 m mit steirischem Most und Käse. An einer kleinen Kapelle lassen wir unsere Räder stehen und nach zwei Stunden Fußmarsch erreichen wir die 1870 m hohe Oberhütte am gleichnamigen See. Wir sind nur noch zwei Wegstunden von Obertauern entfernt, am Weg dorthin reiht sich ein Bergsee an den anderen. Der Abstieg folgt dem Weg des Anstiegs, und nach einer Siesta unter schattigen Bäumen steigen wir zum Endspurt wieder auf der Räder. An der Dicktler-Hütte auf 1250 m ist der für heute letzte Stopp, den wir gleich für das vorzeitige Abendessen nutzen.

Sonnwendfeier auf den Rotofen
Sonnwendfeier auf den Rotofen

Arnold begleitet uns auch auf unserer Tour am Dienstag, zu der wir in Kendlbruck starten. Die nach dem nächtlichen Gewitter gebildeten Nebel über der Mur und dem Mühlbachtal haben sich rasch gelichtet. An der Hinteralm haben wir auf 10 km bereits 400 m an Höhe gewonnen. Doch der Waldweg hört plötzlich auf, und weglos schleichen wir fünf durch den Hochwald und hieven unsere Räder über einen Stacheldrahtzaun, der die Grenze vom Salzburgerland zur Steiermark markiert. Nicht weit danach finden wir auf eine breite Forststraße, die uns zu den bereits bekannten Silberbergalmen führt.
Wir verweilen nur kurz auf eine Trink- und Verschnaufpause. Vom Koglerhof, wo wir zu Mittag essen, sind es noch gut 3 km sehr steile Bergabfahrt nach Predlitz. Dann folgen wir dem Murradweg über Kendlbruck nach Tamsweg, im Blickfeld die nostalgische Murtalbahn, die Tamsweg mit Unzmarkt verbindet.
Am Mittwoch starten wir zur großen Seenrunde. Die 30 km lange Strecke ab Tamsweg auf der B 96 nach Osten hat es in sich. Das zweistündige ständige Auf und Ab auf sonnendurchglühter Asphaltstraße kostet uns viele Schweißtropfen. Kurz hinter Seetal haben wir die Abzweigung in Richtung Krakaudorf erreicht, und über Brandstatt und Unteretrach finden wir den Zugang zum Etrachtal. Nach wenigen km ist der 1375 m hoch gelegene Etrachsee erreicht. Er ist weitgehend von Wald eingesäumt und freie Uferstellen laden zur Rast. Der Seeumrundung per Rad und per Pedes folgt das Mittagessen im Seerestaurant. Wir verlassen das freundliche Etrachtal in Richtung Hinterkrakau an der Holzstraße. Einer längeren Gefällstrecke folgt nach der Ortschaft Moos eine nicht minder lange Steigung, die bis zu einer Hochalm-Region führt, auf der auch der 1530 m hoch gelegene Prebersee liegt. Wir sind froh, dass es ab sofort nur noch bergab geht. Vor der Heimfahrt machen wir einen Abstecher zum Schilcherwirt in Unternberg an der Mur.
Ausgangspunkt für unsere nächste Tagestour ist die 1750 m hohe Turracher Höhe. Hier oben ist die Grenze von der Steiermark nach Kärnten, und wir bewegen uns heute in den Nockbergen, die sich südlich bis Bad Kleinkirchheim erstrecken. Sonne und Wolken liegen über den Bergen und noch ist es angenehm kühl. Auf dem Drei-Seen-Wanderweg, der durch ein naturgeschütztes Hochmoorgebiet führt, geht es zunächst noch recht kommod voran. Dann beginnt der zweistündige steile Aufstieg zum 2200 m hohen Schoberriegel; Grünsee, Schwarzsee und Turracher See sind bis zum Gipfel fast immer im Blickfeld. Nach einer ausgiebigen Gipfelrast in der Sonne folgt der steile Non-Stop-Abstieg auf einer Art Jägerpfad, zunächst über freie Almwiesen und dann durch Wald, dem größten zusammenhängenden Zirbenwald Mitteleuropas. Die Rundtour endet an der Karl-Hütte. Es folgen 30 km Genussabfahrt auf der Turracher Höhenstraße bis nach Stadl an der Mur. Es macht enormen Spaß, auch mal schnell zu fahren.
Am Freitag heißt es schon wieder Abschied nehmen von unserem vertrauten Heim. Wegen des anhaltend schönen Wetters machen wir noch einen Abstecher zur Sticklerhütte, die wir über Muhr und Muritzen-Alm nach 50 km erreichen. Der Verzehr von Kaiserschmarrn schafft ungeahnte Kräfte für die nachmittägliche etwa 4stündige Bergtour zum Murursprung auf 1900 m und weiter in Richtung Schmalzscharte auf 2444 m. Noch verdrängen wir die Tatsache, dass wir am Samstag trotz besten Tourenwetters wieder nach Hause fahren sollen. Ein letzter Anstieg bringt uns von der Arsenhütte bis zu 20 % steilen Steig zur gut 400 m höher gelegenen Rotgüldenhütte am gleichnamigen See auf 1740 m. Der nahende Abschied ist Anlass zu einer durchweg positiven Bilanz: Wir haben mit unseren Mountainbikes 300 km zurückgelegt, im Anstieg waren es mit Rad und per pedes zusammen 5500 hm. Wir sind ohne Pannen an Material und Mensch über die Runden gekommen und haben von den guten Connections von Ernst, der die Tour bestens vorbereitet hatte, aber auch vom sonnigen Wetter profitiert. Und wir haben wunderschöne neue Landschaften auf alternative Art kennen gelernt, nämlich in der Kombination von Bike und Hike.

26.01.09, Peter Neubert

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