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Bergsteigen natürlich

Die Überschreitung des gestrigen Tages mit Spieser
Die Überschreitung des gestrigen Tages mit Spieser
Tannheimer Tal vom 07. – 11.Juni 2008

Wir, Anne-Bärbel, Silke, Ernst und Ich, haben uns für Samstagmorgen in Hüttenfeld zur Abfahrt Richtung Bad Hindelang verabredet. Bei herrlichem Frühsommerwetter starte ich um kurz vor 8 in Lorsch um die drei abzuholen. Dann noch schnell nach Heddesheim, Thomas an Bord nehmen, und schon rauschen wir 5 ab in Richtung Tannheimer Tal. Frühsommer in Hessen hin oder her, mit zunehmender Entfernung von der Heimat sinken die Temperaturen. Bei 14° auf dem Außenthermometer, kurz vor dem Ziel, wird auch Anne-Bärbel in Ihrem leichten Kleid nachdenklich. Dann, halt mit Sonne nur im Herzen, am ersten Zielpunkt angekommen, besuchen wir in Bad Hindelang den Bauernmarkt um uns mit regionalen Produkten als Proviant für die nächsten Tage zu versorgen. Jeder seine Tüte in der Hand, soll es nun losgehen. Einlauftour ist angesagt. Über das Cafe Polite auf den Berg-Wald-Weg. Bevor wir mit unserer ersten naturkundlichen Tour starten, stehen jedoch zwei, ungeplante, Übungen an: Serpentinen fahren und ein kleiner Konditionstest im Anstieg. Serpentinen, weil ich, meinem Navi im Auto blind vertauend, von der falschen Seite her anfuhr. Also Serpentinen runter nach Bad Hindelang und wieder rauf zum vermeintlichen Startpunkt. Dieser stellte sich jedoch als nicht ganz richtig heraus, wie uns nach einem fast einstündigen Anstieg bewusst wurde. Also wieder zurück marschiert, ab ins Auto und die Serpentinen wieder runter. Kondition und Orientierung jetzt geprüft, erreichten wir nach kurzer Fahrt nun unseren Startpunkt, den Weg zum Cafe Polite. Wir finden letztendlich auch den gut versteckten Berg-Wald-Weg, den nicht mal der einheimische Bauer kennt, über dessen Weide er führt. Bei leichtem Regen ist es trotz aller anfänglichen Widrigkeiten eine schöne Eingehtour und wir lernen von Anne-Bärbel einiges über den Schutzwald und die Natur. Den ersten Tag beenden wir in unserem Quartier mit einem praktischen Training in Sachen Ausrüstung und Rucksack packen. Dank Anne-Bärbel habe auch ich nun plötzlich Reserven in meinem Rucksack.

Am Sonntagmorgen verlassen wir bei leichtem Nebel aber guten Wetteraussichten unser Quartier. Für den heutigen Tag ist eine Überschreitung angesagt.

Blick zum Einstein
Blick zum Einstein

Bis wir am Abend zurück in der Unterkunft sind, sollen wir gut 900 Höhenmeter bewältigt haben. Der Spieser mit 1649 m ist heute unser höchster Punkt. Während der Gipfelrast haben wir einen herrlichen Rundumblick auf die Ziele der nächsten Tage. Richtung Tannheimer Tal zum Einstein und Aggenstein und in Richtung Voralpenland zum Wertacher Hörnle. Auch am Sonntag ist Ausbildung angesagt. Was ist das richtige Tempo im Aufstieg, Stockeinsatz, Bergab den Schwung mitnehmen. Anne-Bärbel weiß immer etwas zu vermitteln. Dank der guten Vorbereitung von Silke, wissen wir am Abend auch alles über den Steinadler. Ach so, das hätte ich fast vergessen. Thomas Beitrag zum Klimawandel am Vortag lautet: Es regnet doch, was wollt Ihr. Nach einer überwiegend sonnigen Tour steigen wir dann am Nachmittag über teilweise mit Stahlseilen versicherte Wege dem Grat Richtung Westen folgend, über eine Rinne ab. Mit den ersten Regentropfen des Tages kehren wir zurück ins Quartier und können uns am Abend gemeinsam mit dem Hüttenwirt über den Sieg unserer Nationalelf gegen Portugal freuen.

Für Montag ist ein „Spaziergang“ nach Unterjoch angesagt. Beginnend mit einer Exkursion durch das Kematsriedmoos, einem Hochmoor, geht es los Richtung Wertacher Hörnle. Heute mit vollem Gepäck, denn am Abend werden wir ein neues Quartier in Unterjoch beziehen. Im ersten Anstieg zum Blassleskopf deutet sich jedoch an, das die heutige Tour doch etwas mehr als ein Spaziergang wird, so jedenfalls die Kommentare einiger Teilnehmer. Unterwegs haben wir eine herrliche Aussicht zurück zum Spießer und können die Überschreitung des letzten Tages noch einmal Revue passieren lassen.

Bei unserer Gipfelrast treffen wir auf eine Gruppe der Sektion Neu Ulm. Man kommt ins Gespräch. Macht Ihr hier Urlaub so die Frage eines Neu Ulmers. Bei uns nur Fragezeichen im Gesicht murmelt Anne-Bärbel so etwas wie, nein wir treffen uns hier zu einer Telekonferenz. Über das Wertacher Hörnle, 1695 m, geht es dann durch teilweise knöcheltiefen Morast weiter Richtung Unterjoch. Vor einer Woche hat hier sicher noch Schnee gelegen. Alles in allem haben wir Heute mit jeweils zwei Auf- und zwei Abstiegen 870 Höhenmeter hinauf und 1110 Höhenmeter hinab bewältigt. Zufrieden nach einem wieder sonnigen Tag und mit müden Beinen bestätigt sich unsere Annahme vom Vormittag. Dies war wohl doch etwas mehr als ein Spaziergang.

Für den heutigen Dienstag ist unsere Königsetappe angesagt. Wir starten bei herrlichstem Sonnenschein und marschieren unter einem stahlblauen Himmelszelt durch sattgrüne Wiesen in Richtung Tannheimer Tal. Mäßig ansteigend mit immer wieder flachen Passagen geht es hinauf zum Fuße des Einstein, unser heutiger Gipfel.

Gipfelrast auf dem Einstein
Gipfelrast auf dem Einstein

Die letzten 400 Höhenmeter erweisen sich dann aber doch als sehr steil und kräftezehrend. Die mittlerweile hochstehende Sonne tut Ihr übriges. Wieder haben wir eine besondere Begegnung. Auf die Frage eines entgegenkommenden Wanderers warum wir denn so große Rucksäcke tragen, kann ich mir nicht verkneifen Ihm folgendes zu Antworten. Ja wissen Sie, wir wollen am Gipfel Grillen. Und mit dem Bierfass und dem ganzen anderen Zeug braucht es natürlich Stauraum. Ganz ernst und höflich natürlich, aber ich glaube er hat es verstanden. Vielleicht war er ja auch aus Neu Ulm. Etwas ausgepumpt, aber zufrieden erreichen wir dann mit reduzierter Mannschaft den Gipfel.

Ernst hat es vorgezogen, bereits unterhalb des Gipfels zu Rasten um zusätzliche Reserven für den anstehenden Abstieg zu tanken. Bis zum Gipfel absolvieren wir heute immerhin 1085 Höhenmeter im Aufstieg. Rundherum zeigen sich dunkle Wolken und die geplante ausgiebige Gipfelrast fällt kürzer aus als uns lieb und recht ist. Der nun anstehende Abstieg in Richtung Grän verlangt uns allen höchste Konzentration und Trittsicherheit ab. Einige „Rutscher“ rufen uns das immer wieder ins Bewusstsein. Die Wege sind nach dem letzten Winter noch nicht hergerichtet und teilweise ausgesetzt. So dauert der Abstieg wesentlich länger als geplant. Eine kurze, seilversicherte Passage zum Klettern kostet uns zusätzliche Zeit und zu allem Überfluss geraten wir noch in einen heftigen Gewitterregen. Zum Glück finden wir unter dem Vordach der Einsteinhütte einen Unterstand. Viel später als geplant und nach 905 Metern Abstieg im Tal angekommen, ist Anne-Bärbel noch die Einzige, welche die Motivation und die Energie für einen weiteren Aufstieg zum Aggenstein hat. Nach knapp 10 Stunden, mittlerweile ist es schon gegen 17:00 Uhr und letztlich auch wegen des wieder einsetzenden Regens beschließt die Gruppe im erreichten Gasthof zu nächtigen und nicht mehr zur Bad Kissinger Hütte aufzusteigen. Anne-Bärbel meldete uns dann ordnungsgemäß beim Hüttenwirt ab. Wir verbringen einen letzten, feuchtfröhlichen Abend und treten am Mittwochmorgen bei leicht verregnetem Wetter unsere Rückfahrt an. Fazit aller: Das war eine super Tour! Vielleicht verabreden wir uns ja im September noch mal für ein verlängertes Wochenende ins Tannheimer Tal.

12.08.08, Peter Böhm

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