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Viertausender wie aus dem Bilderbuch

Wintereinbruch auf der Gandegghütte, ca. 3000m
Wintereinbruch auf der Gandegghütte, ca. 3000m
Begrüßung mit Regen, Wolken und Neuschnee - aber dennoch!

Einfach mies war der Empfang in Zermatt für die Mitglieder des Weinheimer Alpenvereins, Thomas Gehrlein, Hans Henninger, Andreas Hinkelmann ,Karl-Friedrich Rothenbusch und Bernhard Schmitt. Nach strömendem Regen schon auf der Anfahrt hüllten sich das Matterhorn und seine Nachbargipfel in Wolken und auf der Gandegghütte in ca. 3000m Höhe waren in der ersten Nacht des Aufenthaltes gut 30 Zentimeter Neuschnee gefallen. Dennoch wollten die Weinheimer der Witterung trotzen und ihre erste Etappe zur Ayashütte angehen. Dazu auf der Seilbahnstation „Kleines Matterhorn“ angekommen, begab sich die Seilschaft bei Sturm, starkem Schneefall und miserablen Sichtverhältnissen auf den tief verschneiten Weg. Mit Hilfe eines GPS Gerätes wäre die Ayashütte sicher auch erreicht worden. Doch schon nach kurzer Wegstrecke kam den Weinheimern ein Berufsbergführer der Region entgegen, der eben diese Route erfolglos abgebrochen hatte und mit seinen Kunden im Abstieg war. Seinen Rat, wegen hoher Lawinengefahr auf Grund der Neuschneefälle umzukehren, beherzigten die Bergsteiger.
Aber damit hatten sie keineswegs ihren Plan aufgegeben, über einige Viertausendergipfel Europas höchste Hütte zu erreichen, die Margheritahütte auf der Signalkuppe, 4554 m hoch gelegen. Da erfahrungsgemäß das Wetter auf der Alpensüdseite besser ist, stiegen die fünf Weinheimer ab und fuhren über den Großen Sankt Bernhard in´s Aostatal. Und In der Tat, kaum über der Passhöhe strahlte die Sonne von tiefblauem Himmel und im Tal herrschten sommerliche Temperaturen. Welch Unterschied zum tiefen Winter auf der Nordseite!

Ankunft auf der Signalkuppe, 4554m
Ankunft auf der Signalkuppe, 4554m

Nach einer ruhigen Nacht stiegen die Bergsteiger bei herrlichstem Wetter über Fels und zahlreiche Firnfelder auf die 3470m hoch gelegene Mantovahütte auf. Eigentlich wäre es der Akklimatisation dienlich gewesen, dort einen Tag zu verweilen - allein die Unsicherheit der Wettervorhersage führte zum einstimmigen Beschluss, gleich am nächsten Tag den Aufstieg auf die Margheritahütte zu wagen. Die Entscheidung war goldrichtig! Der Folgetag brachte wiederum bestes Wetter und so „pflückten“ die Weinheimer im Aufstieg gleich noch drei Viertausender, das Schwarzhorn (4322m), die Ludwigshöhe (4341m) und die Parrotspitze (4432m) zusammen mit der Signalkuppe (4554m) glatt vier Viertausender an einem Tag! Und das bei einer unvergleichlichen Fernsicht über die in strahlendem Neuschneeweiss gleißende Gipfelwelt. Zum Greifen nahe der Lyskamm, die Dufourspitze in der näheren Umgebung und Matterhorn, Montblanc, Gran Paradiso in der Ferne. Die in diesem Aufstieg zu bewältigenden Anstiege in teils schwerem Schnee über rund 1400 Höhenmeter verlangten den Teilnehmern allerdings einiges ab. Recht erschöpft, aber hochzufrieden kamen alle gegen 15:00 auf der Margheritahütte an, wo sie von Dr. Christoph Dehnert , dem Oberarzt der Forschungsstation der Universität Heidelberg herzlich empfangen wurden. Als eine der wenigen Universitäten in der Welt unterhält die Heidelberger auf der Margherita Hütte nämlich eine Forschungsstation zur wissenschaftlichen Erforschung der Höhenkrankheit. Die ärztliche Untersuchung der Weinheimer Bergsteiger auf Höhentauglichkeit verlief durchaus positiv. Abgesehen von ein paar leichten Kopfschmerzen waren gravierende Symptome der gefährlichen Höhenkrankheit bei keinem Teilnehmer festzustellen.
Natürlich war der Schlaf in der folgenden Nacht nicht so tief und erholsam, wie im eigenen Schlafzimmer , aber dennoch weit besser, als in der Höhe erwartet. Dass die Entscheidung zum schnellen Aufstieg Vortags richtig war, zeigte sich nun, denn schon zur Mittagzeit zogen die Wolken aus dem Tal hoch und hüllten bald alles in dichten Nebel. Die Alpenvereinsler stiegen noch eben schnell auf die nahegelegene Zumsteinspitze (4463m) um sich dann dem Nichtstun auf der Hütte zu ergeben.

Auf der Parrotspitze, 4432m mit Blick auf den Mt. Blanc im Hintergrund
Auf der Parrotspitze, 4432m mit Blick auf den Mt. Blanc im Hintergrund

Tags darauf stellte sich heraus, dass diese Erholung dringend nötig gewesen war. In einem Zug nämlich galt es nun, den Abstieg von 4554m bis auf 1800m zu bewältigen und das alles auf einer Wegstrecke von 15 km. Damit nicht genug, stand auch noch die Bewältigung des "Paso del Naso" an, einer Eis-/Schneekuppe, die, 4200m hoch gelegen, Eisanstiege und -abstiege mit Steigungen bis 50 Grad erforderte. Hier galt es natürlich, die gelernten Sicherungsmethoden mittels Eisschrauben und Eispickeln anzuwenden, was auch reibungslos klappte. Allerdings kostete das Sichern viel Zeit und die Wolkenwand im Südwesten zog immer bedrohlicher auf. Wie wichtig auch der Faktor Zeit bei derartigen Hochtouren ist, zeigte sich denn auch bald: Die Spur im tiefen Firn zur Quintino Sella Hütte als nächstem Ziel war gerade noch erreicht und ein Stück begangen, als der Nebel die Bergsteiger umhüllte und die bis dahin grandiosen Blicke auf die umgebende Gletscherwelt von Lyskamm, Castor und Pollux trübte. Mit Hilfe der Spur und ihrer GPS Geräte trafen die Weinheimer zielgenau die Quintino Sella Hütte (3585m), wo nur kurz gerastet wurde, denn noch stand der Abstieg ins Tal an. Dieser führte zunächst auf einem ausgesetzten, seilversicherten Grat hinunter auf eine Hochebene mit zahlreichen kleinen Bergseen. Der Weiterweg war zwar schwer zu finden, weil sehr selten begangen (Seilbahn !) brachte aber ein Naturerlebnis erster Güte: Ein Meer von Blüten auf Almwiesen, verfallene Steinhütten vor der weißen Kulisse des Monte Rosa Massivs, zahlreiche Murmeltiere und Steinböcke, die so nah kamen, dass sie fast aus der Hand hätten fressen können, und dann doch schnell mit schrillem Pfiff das Weite suchten. Immer wieder an kleinen Wasserfällen vorbei, Bäche querend vergaßen die Weinheimer die Qualen des Abstiegs mit den gut 15 kg schweren Rucksäcken auf dem Buckel und gelangten nach 13 Stunden Gehzeit schließlich wohlbehalten in Gressoney an, wo in einer gemütlichen Pension Quartier bezogen und die erfolgreiche Tour gebührend gefeiert wurde.

03.08.08, Hans Henninger

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