Sektion Weinheim im Deutschen Alpenverein e.V.

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Praxiswoche Eis und Fels im Stubai


"...für Anfänger sind die richtig fit!"

Der reichliche Schneefall bis in den späten Frühling bescherte den Teilnehmern der 9. Ausbildungswoche des Weinheimer Alpenvereins äußerst günstige Bedingungen. Den Rückgang der Gletscher im Gebiet um die Stubaier Franz Senn Hütte konnte die Schneedecke zwar nicht ausgleichen, doch zeigten sich die Gletscher in strahlendem Weiß und der zum festen Firn verdichtete Schnee erlaubte Anstiege in steilem Gelände wie auf einer Treppe. Wo vergangenes Jahr mühsam über Geröll der Weg führte war jetzt eine feste Unterlage, auf der leicht Tritt zu fassen war. Auf der Franz Senn Hütte sind die Weinheimer mit ihren Fachübungsleitern Dietrich Hinkeldey und Hans Henninger längst von Gästen zu Freunden geworden und wurden nach langer Anreise mit einem "Schnapserl" willkommen geheißen. Doch auch der lange Tag der Anreise -immerhin ging es um 4:00 morgens in Weinheim los- hinderte die Ausbilder nicht daran, die Teilnehmer noch auf die Vordere Sommerwand zu führen. Dieser Anstieg von 2100m auf 2600m wird im Gipfelbereich "gekrönt" von einem Drahtseil gesicherten, ausgesetzten Grat, der volle Konzentration und Trittsicherheit erfordert. Nach gut drei Stunden wieder in der Hütte zurück, genossen die Alpinisten das ausgezeichnete Essen auf der Hütte und dann den verdienten Schlaf.


Der Sonntag dann machte seinem Namen alle Ehre und brachte die Weinheimer kräftig in´s Schwitzen bei der Orientierung im weglosen Gelände zum Aufstieg auf die Innere Sommerwand, 3122m .Die rund tausend Meter Anstieg wurden in so kurzer Zeit bewältigt, dass Dietrich Hinkeldey anerkennend anmerkte, "für Anfänger sind die richtig fit!".
Im unteren Teil des Gletschers wurden Sicherungsmethoden im Firn und Eis geübt und nach schnellem Abstieg folgte auf der Terrasse der Hütte beim kühlen Bier das übliche Fachsimpeln.
Montags um sieben war die Welt in Ordnung, der nächtliche Regen hatte aufgehört und so stand der zweite Dreitausender an: Der Vordere Wilde Turm(3126m). Zügig ging es voran im festen Firn bis zur Turmscharte. Die Teilnehmer bewiesen gute Disziplin im Gehen am Seil und die Drahtseil versicherte steile Scharte war auch schnell gemeistert. Der Gipfel selbst forderte dann noch höchste Konzentration und Felsklettern im 4 Grad, mit schweren Bergschuhen kein Kinderspiel. Nach diesem Gipfelerlebnis, welches herrliche Blicke bis hin zum Zuckerhütl, Habicht und Wilden Freiger erlaubte war im Abstieg noch die Bergung eines Teilnehmers aus einer Gletscherspalte zu üben. 16:00 und fernes Donnergrollen mahnten zu Rückzug, auf dem die Gruppe auf den letzten Metern doch noch von heftigen Hagelschauer eingeholt wurde. Aber die Hütte verfügt ja über einen tollen Trockenraum .. und warme Duschen!
Dass sie keine "Warmduscher" sind bewiesen die Woinemer Bergsteiger schon am nächsten Tag: Der dritte Dreitausender, die Rinnenspitze, 3006m, stand auf dem Programm und damit ein Klettersteig, der allerdings längst nicht die Schwierigkeit des Klettersteigs in der Weinheimer Jakobswand aufweist. So war auch hier das Ziel so bald erreicht, dass anschliessend in Hüttennähe diverse Techniken zum Sichern beim Klettern im Fels geübt werden konnten. Für einige Teilnehmer die Gelegenheit den hütteneigenen "Edelweissklettersteig" zu begehen, der seinem Namen alle Ehre macht.


Von wegen "fix und fertig" nach drei Dreitausendern in drei Tagen! Am 4 Tag schon stand das "Meisterstück" an: Der Schrankogel, mit 3496m der höchste Gipfel der Umgebung. Das heißt: 5:00 Aufstehen, 5:40 Abmarsch über den Alpeiner Ferner (Ferner = Gletscher) durch die steile und im Abstieg zum Schwarzenbergferner brüchige Wildgratscharte, die mittels Fixseil bewältigt wurde. Die Gipfelpartie hatte es dann in sich: Glatte Felsplatten, Schotterhänge, Schneefelder und Eisplatten bei Neigungen bis 45 Grad machten den Alpinisten zu schaffen. Das kostete Zeit. Zeit, die wertvoll war, denn Dietrich Hinkeldey und Hans Henninger hatten 13:00 als Umkehrzeitpunkt festgeschrieben. So fehlten der Gruppe ganze 50 Meter bis zum verwächteten Gipfel. Der Abstieg zeigte sich von der gefährlichen Seite, jederzeit war mit Abrutschen zu rechnen und wer dort rutscht, fällt weit.....! Also war Seilsicherung des Abstiegs angesagt. Als nach 13 1/2 Stunden alle wieder wohlbehalten auf der Hütte waren, wurde erst so richtig klar, was da gemeistert worden war - auch ohne Gipfel bis 3450m bei schweren Bedingungen eine gute Leistung. Der vierte Dreitausender in vier Tagen!
Am fünften Tag war dann doch ein bischen "die Luft raus"und zum Glück alles im Nebel - wie bestellt. Für einige Teilnehmer die Gelegenheit den "Höllenrachen" zu begehen: Eine nasse Angelegenheit, denn es handelt sich um den unterirdischen Durchbruch des Alpeiner Baches durch eine Endmoräne - also eher Canyoning statt klettern.
Und wer dort reingeht, wird kalt geduscht, aber wie war das noch mit dem Trockenraum? Am Abend dieses ruhigeren Tages stellten die Ausbilder für den nächsten Tag ihre Schüler vor die Wahl:
Noch ein Dreitausender oder Alpinklettern. Die Entscheidung fiel einstimmig: Alpinklettern.
Während Dietrich Hinkeldey im Grat zur Vorderen Sommerwand (Schwierigkeitsgrad bis 4-) für zwei Seilschaften verantwortlich war, führte Hans Henninger zwei Teilnehmer durch die Route des Kreuzkamp (Schwierigkeitsgrad 6-). Die"Sommerwandler" hatten den Vorteil des einfachen Abstiegs, die "Kreuzkampler" mussten abseilen. Beim Abseilen geschehen die meisten schweren Unfälle beim Klettern und kein Wunder, die Abseilrinne für die "Kreuzkampler" war noch voll mit Schnee und ein Abseilhaken daher nicht zu finden. Doch auch dieses Problem wussten die Weinheimer durch Improvisation zu lösen und trafen nach weglosem Abstieg noch so rechtzeitig auf der Hütte ein, dass noch auf der Terrasse die gelungene Ausbildungswoche so richtig gefeiert werden konnte. Thomas und Beate, das Hüttenwirtsehepaar spendierten einen Umtrunk auch als Dank für viele Filznägel, die die Woinemer auf die Stuhlbeine genagelt hatten, weil ihnen das Stühlerücken zu laut war. Ein kleiner Wermutstropfen durfte nicht fehlen: Nur noch einmal wird diese Traditionswoche 2009 von Dietrich Hinkeldey und Hans Henninger geleitet werden, zum zehnten Male.

09.07.08, Hans Henninger

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