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Gemeinsam auf das Dach Afrikas

Mount Meru - Socialist Peak, unser "Eingehgipfel"
Mount Meru - Socialist Peak, unser "Eingehgipfel"

Sieben Bergsportbegeisterte, davon fünf Mitglieder der Sektion Weinheim (Anne-Bärbel Engelhart, Karen Ehret, Richard May, Gisela Hitzwebel und Helmut Helfert), wollten das Wagnis und die Herausforderung des Kilimanjaro auf sich nehmen.

Dank des von Hans Münch vermittelten Kontaktes mit einem in der Nähe des Kilimanjaro lebenden Deutschen konnte Anne-Bärbel bereits von Deutschland aus die nötigen Tour- und Unterkunftsbuchungen ohne Einschaltung einer Reiseagentur tätigen. Am 21. Januar ging es mit großem Tourengepäck und Ethiopian Airlines von Frankfurt aus über Addis Abeba und Nairobi nach Tansania zum Kilimanjaro International Airport in der Nähe von Arusha. Dort erwartete uns unser lokaler Guide Julian, der uns zu unserer ersten Unterkunft, der Meru View Lodge am Fuße des Mount Meru brachte.

Dieser Berg ist ebenso wie der Kilimanjaro vulkanischen Ursprungs und sollte uns mit seinen 4.566 Höhenmetern als "Eingehtour" eine gute Akklimatisation ermöglichen. Am nächsten Morgen fuhren wir zum Arusha Nationalpark, wo wir am Momella Gate von unserem Führer Alois Manyanga mit seiner Mannschaft (zwölf Träger, ein Koch und ein Wildhüter) erwartet wurden. Nach der offiziellen Registrierung im Nationalparkbüro und der gerechten Verteilung des Gepäcks auf die Träger starteten wir.

Blick vom Kibo-Gipfel zum Mount Meru
Blick vom Kibo-Gipfel zum Mount Meru

Auf einem Fahrweg ging es zunächst durch schattige Akazienwälder leicht bergauf und schließlich steiler durch den subtropischen Regenwald. Beeindruckt von der Vegetation gewannen wir allmählich an Höhe und hatten auf dem Kitoto Plateau den ersten Kontakt mit Wildtieren: Mehrere Giraffen ließen sich von uns bei der Nahrungssuche nicht stören, obwohl wir uns ihnen bis auf etwa 25 Meter näherten. Gegen 15 Uhr erreichten wir unser Tagesziel auf 2521 Meter, die Miriakamba Hütte.

Am folgenden Morgen marschierten wir durch den tropischen Urwald über fast nicht enden wollende Baumstammtreppen weiter bergauf. Durch farnbehangene Bäume schweifte der Blick über die Ebene in Richtung Kilimanjaro, der an diesem Morgen erstmals in seiner vollen Pracht zu sehen war. Da wir unser Ziel, die Saddle Hütte auf 3566 Meter bereits gegen 12 Uhr erreichten, wurde am frühen Nachmittag ohne Gepäck noch der Kleine Mount Meru (3820 m) bestiegen, der bei strahlendem Sonnenschein einen phantastischen Blick auf den Großen Meru und die weite Massai-Savanne Richtung Kenia ermöglichte. Er war für einige der bis dahin höchste bestiegene Berg.

In der folgenden Nacht starteten wir um 1 Uhr bei hellem Mondenschein zum Aufstieg auf den Mount Meru. Je höher wir kamen, desto kälter wurde es, zudem blies ein starker eisiger Wind. Die Route ging teilweise durch steiles Felsgelände am Kraterrand entlang, sodass unsere volle Aufmerksamkeit gefordert wurde. Zudem machte sich die ungewohnte Höhe bei den meisten Teilnehmern bemerkbar. Trotz aller Strapazen erreichten alle gegen 7.30 Uhr den Gipfel (Socialistic Peak) auf 4566 m Höhe. Nach ausgiebigem Fotografieren begannen wir bald den Abstieg, da uns die Kälte und die Höhe zu schaffen machten. Nach einer kurzen Pause auf der Saddle Hütte ging es dann noch am gleichen Tag wieder zur Miriakamba Hütte hinab. Der Abstieg am nächsten Morgen erfolgte in direkter Linie auf dem Southern Circuit den Berg hinab, wobei wir Giraffen, Kaffernbüffel und Warzenschweinen begegneten. Am Gate des Nationalparks erhielten wir offizielle Urkunden über die Besteigung der Meru Gipfel.

Zurück in der Meru View Lodge konnten wir uns am Pool von den Strapazen des Meru-Aufstieges erholen. Jedoch mussten wir noch am gleichen Tag unsere Vorbereitungen für den Kilimanjaro-Aufstieg treffen, da es am nächsten Morgen losging.

Wir hatten uns bewusst für die Machame Route entschieden. Sie gehört zu den längsten Routen auf den Kilimanjaro, ermöglicht jedoch eine bessere Akklimatisation an die extreme Höhe. Nach eineinhalbstündiger Fahrt erreichten wir restlichen das Machame Gate auf 1840 m Höhe, wo uns bereits unser bekannter Führer Peter Alois Manyanga mit seiner nunmehr auf 25 Mann angewachsenen Mannschaft erwartete. Nach Registrierung und Gepäckverteilung begannen wir bald mit dem Aufstieg durch den tropischen Bergregenwald.

"Pole, Pole" hieß die Parole: langsam, langsam. Nur so konnte die erfolgreiche Anpassung an die zu erklimmende Höhe gewährleistet werden. Unser Führer achtete stets darauf, dass keiner von uns zu schnell wurde. So konnten wir die faszinierende Urwaldvegetation ausgiebig bis zum ersten Zeltplatz bei der Machame Hütte auf 2990 m Seehöhe genießen. Bei unserer Ankunft hatten die Träger (die uns unterwegs mit dem Gepäck und der Ausrüstung überholt hatten) bereits die Zelte aufgebaut und den Tee mit Popcorn und gerösteten Erdnüssen vorbereitet. Nach dem Abendessen verkrochen wir uns früh in unsere Schlafsäcke in den Zelten.

Am nächsten Morgen bot sich ein überwältigender Ausblick auf die schnee- und eisbedeckten Hänge des Kibo, dem Hauptgipfel des Kilimanjaro. Die Aufstiegsroute des Tages führte durch Heidelandschaft und Erikawälder teilweise steil bergauf. Nach Queren mehrerer Schluchten und Kämme wurde dann das Camp am Shira Cave erreicht. Dabei zeigten uns mehrere Dutzend Zelte, dass wir nicht die Einzigen waren, die den Kibo besteigen wollten. Wir spazierten zur Akklimatisation weiter zur Shira Hütte (3880 m), wo Anne-Bärbel, die sich am letzten Tag beim Abstieg des Mount Meru einen Bänderriss zugezogen hatte, zu uns stieß. Sie wurde mit dem Auto über die Lemosho Route in den Nationalpark gefahren und lief recht eben über das Shira Plateau.

Der folgende Tag diente voll und ganz der Akklimatisation. Hierzu erfolgte der Marsch durch eine nahezu vegetationslose Wüste aus Lavasand zunächst hinauf zum Lava Tower auf 4600 m, bevor es dann teilweise steil hinab zum Barranco Camp auf 3965 m ging. Je tiefer wir stiegen, umso grüner wurde die Landschaft wieder, Blumen säumten den Weg. Das Camp an der Barranco Hütte lag märchenhaft zwischen Riesen-Kreuzkräutern (Senecien) die nahezu Baumhöhe erreichten.

Anne-Bärbel, Richard, Helmut, Gisela am Freiheitsgipfel
Anne-Bärbel, Richard, Helmut, Gisela am Freiheitsgipfel

Hatten dichte Wolken und Nebel an diesem Tag den Blick zum Gipfel unmöglich gemacht, wurden wir am nächsten Morgen mit strahlendem Sonneschein entschädigt, der den Gipfel mit seinen Gletschern in gleißendes Licht tauchte. Unmittelbar nach dem Abmarsch stand uns die schwierigste Passage des Tages vor uns: der Durchstieg der Barafu Wall - klettertechnisch sehr einfach, aber ausgesetzt zu steigen. Wieder ging es bergauf und bergab über Sand, Schotter und ausgetrocknete Bachläufe zum Karanga Valley. Von dort sahen wir die gewaltigen Eishänge des Decken- und Rebmann Gletschers vom Gipfel herabziehen. Im weiteren Verlauf der Route musste noch in so manch tiefes Tal zunächst hinab und dann wieder heraus gestiegen werden, bevor wir nach fast neun Stunden Marsch unser letztes Camp, die Barafu Hütte, auf 4540 m Höhe erreichten.

Nach dem Abendessen wurden letzte Vorbereitungen für den in der Nacht geplanten Gipfelaufstieg getroffen. Obwohl wir alle aufgrund der Anstrengungen der letzten Tage erschöpft und müde waren, fand kaum einer von uns erholsamen Schlaf in dieser Nacht.

Gegen 23 Uhr war die Nacht vorbei und nach einer letzten Tasse heißen Tee und einem Teller allgegenwärtigem Porridge hieß es Abmarsch Richtung Gipfel. Im Schein der Stirnlampen bewegten wir uns langsam bergauf. Da noch mehrere andere Gruppen auf dem Weg zum Gipfel waren, konnte man anhand der Lichtpunkte am Berghang die Route erahnen. Je höher wir kamen, desto mehr machte den meisten von uns die Höhe zu schaffen. Immer öfter waren wir gezwungen, kurze Pausen einzulegen. Zum Schluss krochen wir wie in Trance den Berg hinauf, unfähig, die Ereignisse um uns herum wahrzunehmen. Durch diese Umstände landete Anne-Bärbels Tochter Karen in einer anderen Gruppe - aber allein. Dies wurde von den anderen erst später bemerkt - allein und (berg-) unerfahren, und mit einem Guide in Halbschuhen kehrte sie auf 5.700 m um, ohne dass ihr gesagt wurde, dass sie schon so hoch war…

Für uns andere tauchten links von uns im Halbdunkeln schließlich die steilen Eiswände des Rebmann Gletschers auf und wir wussten, dass es nur noch wenige Höhenmeter bis zum Kraterrand am Stella Point auf 5745 m waren. Mit letzter Kraft wurden diese Meter überwunden und dann standen wir am Kraterrand! Wie auf Bestellung ging in diesem Augenblick im Osten die Sonne auf und tauchte den Sphinx Stufengletscher auf dem Gipfelplateau in rötliches Licht. Überglücklich lagen wir uns in den Armen und so manche Freudenträne floss. Vergessen waren all die Anstrengungen des Aufstieges und auch die von der extremen Höhe verursachten Beschwerden (Kopfschmerzen, Atembeschwerden) waren wie verflogen. Daher konnten wir auch den Weitermarsch zum eigentlichen Gipfel des Kibo ohne Bedenken antreten.

Nach einer Dreiviertelstunde, vorbei an den jetzt im hellen Sonnenschein glänzenden Decken- und Kerstengletscher, erreichten wir das Dach Afrikas, den 5895 m hohen Uhuru Peak. Unser Verweilen am Gipfel war jedoch nur von kurzer Dauer, da der Führer auf einen raschen Abstieg drängte. Er wusste aus Erfahrung, dass die ungewohnte Höhe bei den meisten Menschen zu Anzeichen der Höhenkrankheit führt, und deswegen machten wir uns nach nur einer halben Stunde auf dem Gipfel an den Abstieg. Obwohl als Drei-Stunden-Tour angegeben, schafften manche von uns die "Abfahrt" im weichen Lavasand zum Barafu Camp in nur 70 Minuten.

Nachdem alle wohlbehalten das Camp erreicht hatten, wurde eine "Mütze" voll Schlaf genommen und dann noch am gleichen Nachmittag zum Mweka Camp auf 2835 m abgestiegen (also insgesamt 3000 Höhenmeter Abstieg vom Gipfel aus gerechnet), wo wir letztmalig campierten, bevor es am nächsten Tag durch den Regenwald über die Mweka Route zum Gate auf 1800 m Höhe hinabging, wir unser Diplom für die erfolgreiche Besteigung des Kibo entgegen nahmen und uns von unserem Guide Peter Alois Manyanga und seiner Mannschaft (nach Verteilung der üblichen und auch erwarteten Trinkgelder) verabschiedeten. Ein Kleinbus brachte uns zurück zur Meru View Lodge.

Nachdem wir uns wieder in einen menschenwürdigen Zustand gebracht und unsere Ausrüstung so gut es ging gesäubert hatten, wurde am Abend bei einem guten Essen und mehreren Flaschen süffigen südafrikanischen Rotweins der erfolgreiche Abschluss unseres Gipfelabenteuers gefeiert. Am nächsten Tag verließen wir die gastliche Meru View Lodge, denn nun begann der erholsame Teil unserer Afrikatour: die Safari zu den bekannten Nationalparks Lake Manyara und Ngorongoro Krater. Als Stützpunkt diente die im englischen Kolonialstil gebaute exklusive Bougainvillea Safari Lodge. Die Besuche in den Nationalparks vermittelten uns unvergleichliche Eindrücke von der Tierwelt Afrikas. Anschließend verbrachten wir noch zwei Tage in der am Fuße des Kilimanjaro liegenden Stadt Moshi um einer Partnerschule der Viernheimer Alexander - von - Humboldt-Schule einen Besuch abzustatten. Gleichzeitig vermittelten diese Tage einen Eindruck vom Leben der Menschen in einer afrikanischen Stadt mit all seinen Facetten.

Voll von unvergesslichen Eindrücken kehrten wir nach Hause zurück.

20.06.08, Helmut Helfert, Karen Ehret, Anne-Bärbel Engelhart

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